LVR-Institut für Landeskunde
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    Was der Autoschlüssel mit der Gebetsmütze zu tun hat

    Buchcover: 'Woran glaubst du? Heimat und Religion'

    "Woran glaubst du?" Diese Frage beantworten Schülerinnen und Schüler sehr persönlich und eher ungewöhnlich in einer neuen Publikation des ILR: Sie lassen Dingen sprechen, zum Beispiel einen Autoschlüssel, eine Gebetsmütze und ein rotes, mit Pailletten verziertes Tuch. Solche ganz alltäglichen Gegenstände geben Einblicke in Wertvorstellungen und Vorstellungswelten Jugendlicher und junger Erwachsener im Rheinland. Foto-Porträts, in denen sich die jungen Leute mit "ihren" Gegenständen präsentieren und Geschichten zu den Objekten bilden das Herzstück einer Publikation, die in Zusammenarbeit des ILR mit dem Berufskolleg Rheydt-Mülfort für Wirtschaft und Verwaltung entstanden ist und eine gleichnamigen Ausstellung ergänzt. Die Texte zu den Objekten vermitteln sehr individuelle Erfahrungen der Porträtierten, sie drehen sich zum Beispiel um Familie und Fußball, um Erinnerungen an die Kindheit und Hoffnungen für die Zukunft, um Trauer und Begeisterung. Immer spiegelt sich darin auch ein Stück Heimat, gemeint ist eine mentale Heimat, das heißt grundsätzliche Überzeugungen, Ideale und Interessen, die Jugendlichen heutzutage Halt und Orientierung geben. "Das zeigt, dass etwas Kleines einen daran erinnert, etwas Großes gemacht zu haben", verrät zum Beispiel ein Zitat zum Porträt des 18-jährigen Önder. Er hält ein kleines Glasfläschchen in der Hand und in der Geschichte zu seinem Porträt erfahren die Leserinnen und Leser, dass dieses Duftöl von der Pilgerfahrt nach Mekka stammt. Önder hat es von seinem Nachbarn geschenkt bekommen und seine große Hoffnung ist, selbst einmal nach Mekka fahren zu können.

    Die Publikation zeigt die sensibel fotografierten Porträts des Krefelder Fotografen Thomas Esser und gibt ausführliche Einblicke in Interviews, die das ILR im Rahmen eines Forschungsprojekts geführt hat. Ziel des Projektes war es, herauszufinden, was junge Menschen unter Heimat verstehen und was sie brauchen, um sich an einem Ort oder in einer Gemeinschaft zu Hause zu fühlen. Vier reich bebilderte Aufsätze beleuchten Ergebnisse dieses Projektes. Sie beschäftigen sich mit dem Zusammenhängen zwischen Glauben und Heimat und gehen der Bedeutungsvielfalt ganz alltäglicher Gegenstände auf den Grund. Die Beiträge beantworten die Frage, was der Autoschlüssel mit der Gebetsmütze zu tun hat und inwieweit persönliche Dinge Auskunft über Lebenswelten in einer interkulturellen Gesellschaft geben können.

    Gabriele Dafft (Hrsg.):
    Woran glaubst du? Heimat und Religion.
    Wie viel Heimat in den Dingen steckt.
    Ein Begleitbuch zur Ausstellung "Wo ist dann meine Heimat?" Köln 2015
    84 Seiten, 2 Postkarten

    Das Buch ist über das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte gegen eine Schutzgebühr von 6,00 Euro erhältlich. Info: rheinische-landeskunde@lvr.de