LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Mit der Kamera zur Kirmes

Filmdokumentation zum 650-jährigen Jubiläum

von Pützchens Markt

Teilnehmer des Festumzugs auf einem Wagen Der Bonner Oberbürgermeister Sridharan begrüßt einen Gast im Festzelt  Ein Mann und ein Junge vor einem Greifautomaten mit Plüschfiguren

Haifisch-Dekoration auf einer Kirmes, davor steht eine Frau Ein Schausteller bei der Reinigung eines Kettenkarussells Eine Frau im Kassenhäuscheneine Krimesgeschäfts, ein Kind sitzt auf ihrem Schoß

Ein Junge sitzt auf einer Bierbank im Festzelt Ein Mann im gelbkarrierten Jacket hält Luftballons Drei Frauen sehen sich Tischdecken an einem Verkaufsstand an


Der überregional bekannte und traditionsreiche Bonner Jahrmarkt Pützchens Markt feiert im nächsten Jahr sein 650-jähriges Jubiläum. Grund genug für die Volkskunde-Abteilung des ILR einmal der Faszination und dem Facettenreichtum der Kirmes mit einer Filmdokumentation auf den Grund zu gehen. Denn Pützchens Markt zieht nicht nur alljährlich rund eine Million Besucherinnen und Besucher in seinen Bann, zugleich ist ein dichtes Netzwerk aus Schaustellern, Anwohnern, Organisatoren der Stadt Bonn und vielen anderen Menschen daran beteiligt, dieses Großevent auf die Beine zu stellen.

Damit der Film rechtzeitig zum Jubiläumsprogramm präsentiert werden kann, ist die Kamera bereits beim 649. Pützchens Markt (9.-13. September 2016) dabei gewesen, um das bunte Treiben von Autoscooter bis Zuckerwatte zu dokumentieren. Bei hochsommerlichen Temperaturen hat das ILR-Team unterschiedliche Protagonistinnen und Protagonisten zu Wort kommen lassen, sie bei ihren Kirmesaktivitäten begleitet und auch hinter die Kulissen geschaut. Interviews mit eingefleischten Kirmesfans und Schaustellern, mit Anwohnern und Auswärtigen, Betreibern von Hauswirtschaften oder Mitarbeitern des Marktamtes geben Einblicke in individuelle und kollektive Bedeutungen des Phänomens Kirmes.

Da ist zum Beispiel der kleine Lorenz, der vor dem Eröffnungstag die letzten Aufbauarbeiten an den Fahrgeschäften bestaunt oder die Rentnerin Margot S., die sich selbst als „Pützchen Markt Jeck“ bezeichnet und gerne an die Kirmesbesuche mit ihrem Vater erinnert. Da ist der Jungschausteller Friedrich R., der erzählt, wie er sein "Entenangeln"-Geschäft starklar für den Saisonhöhepunkt macht und sich auf seine Stammkundschaft freut. Die Kamera hat auch bei Dirk und Alex vorbeigeschaut: Für die beiden Hobby-Gastronomen, sind fünf Tage Bierausschank direkt vor der eigenen Haustüre zuweilen Stress pur – den sie aber auch nicht missen wollen. Marktmeister Harald Borchert gewährt Einblicke in den enormen Organisationsaufwand, der hinter dem Großereignis steht und Lilo Patt-Krahe aus der katholischen Gemeinde zeigt, warum sich für sie das Flair von Pützchens Markt aus zahlreichen Kleinigkeiten zusammensetzt: Dem Augenwaschen am „Brünnchen“ (Wallfahrtort und Ursprung der Kirmes) genauso wie dem alljährlichen Schwätzchen am Mandelstand mit dem befreundeten Schaustellerpaar aus Aachen.

Viele weitere Stimmen werden in dem Film zu Wort kommen und durch eine Fülle bunter Kirmesszenen ergänzt. Sie sind für die beiden Autorinnen des Films eine wertvolle Quelle, um mehr über die vielfältigen kleineren und größeren Rituale rund um das Kirmesgeschehen zu erfahren – vom persönlichen Familienausflug bis zum offiziellen Fassanstich – und wie sie miteinander verzahnt sind. Denn aus der Vogelperspektive mag die Großkirmes wie ein Epizentrum des Vergnügens wirken, aus der Nähe zeigen sich aber die vielschichtigen Bedürfnisse, die zwischen Riesenschaukel, Hightech-Karussell, Losbude und Festzelt ausgehandelt werden. Pützchens Markt wird zur Bühne, auf der private Familientraditionen und politische Repräsentationen, Nostalgiefreude und moderne Festkultur, ehrenamtliches Engagement und ökonomische Interessen gelebt werden. Ein Mikrokosmos, in dem sich sogar Gottesdienst und Geisterbahn nicht ausschließen.

In den nächsten Monaten wird das ILR-Team das Material sichten und mit dem Schnitt beginnen. Über Neuigkeiten und Präsentationstermine werden wir auf dieser Homepage informieren.

Fotos: Matthias Jung © LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte

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