LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Geheimsprachenaufnahmen

Eine gleichsam spracharchäologische Ausgrabung war die Dokumentation "Geheimsprachen im Rheinland", mit der 1998 die letzten Rotwelschsprecher im Rheinland in Schrift und Ton dokumentiert werden konnten.

Vier solcher im Alltag kaum noch zu hörenden Rotwelschdialekte werden hier wieder hörbar gemacht:

In Breyell (MP3-Datei, 3,06 MB), nahe der niederländischen Grenze bei Venlo, waren es über einen langen Zeitraum Hausierer und Fuhrleute, die eine sehr interessante Geheimsprache mit vielen Eigenschöpfungen entwickelt hatten.

In Kofferen (MP3-Datei, 8,64 MB) bei Linnich lebten die Menschen bis in die fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts von der Arbeit als Wandermusikanten, die auf Festen und Kirmessen im Rheinland ihr Geld verdienten. Noch heute kann man dort die Begrüßungsformel Na Koober, wi schäff et? (Na Freund, wie geht es) hören.

Der Eifelort Bell (MP3-Datei, 2,83 MB)bei Mayen war ein Zentrum des rheinischen Backofenbaus, weil in den umliegenden Steinbrüchen hochwertiger Tuff abgebaut werden konnte. Die in den Wintermonaten zurecht gehauenen Blöcke wurden im Frühling und Sommer überall im Rheinland verbaut. Oft blieben die Backofenbauer monatelang in der Fremde. Um vor Ort ungestört reden zu können, entwickelten sie ihre eigene Geheimsprache Lepper Talp (Beller Platt), die auf dem Prinzip der Umkehrung des Wortstamms bei etwa 500 Mundartwörtern beruht. Das Lepper Talp ist also streng genommen kein echter Rotwelschdialekt, sondern eine echte Geheimsprache.

Der Haupterwerbszweig in Speicher (MP3-Datei, 3,26 MB) bei Wittlich war lange der klassische Hausierhandel. Bekannt geworden als Steinzeughändler vertrieben die Hausierer später Bilder, Käse, Schwämme und sogar amerikanische Schinken. Sie sprachen einen Rotwelschdialekt, den sie selbst Jenisch nannten und der stark von ihrer Mundart geprägt war.

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