LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Sprache(n) im Rheinland

Neu: "Ostern" im Rheinland

Wie viele Dialekte gibt es eigentlich im Rheinland? Diese Frage wird oft gestellt, eine verbindliche Antwort gibt es allerdings nicht. Fest steht jedoch: Wenn man einmal das Gebiet des zu Nordrhein-Westfalen gehörenden Rheinlandes betrachtet, lassen sich zumindest sechs Dialekträume unterscheiden - und die kleine Dialektinsel am unteren Niederrhein darf dabei nicht vergessen werden. Vor hundert Jahren existierten sogar zwei Dialektinseln im Rheinland. Die beiden für den Raum zwischen niederländischer Grenze, Westfalen und Eifel wichtigsten Einteilungslinien sind die Uerdinger und die Benrather Linie. Der Dialekt wird im Rheinland auch Platt oder Mundart genannt, in Köln spricht man Kölsch.

In jedem Ort im Rheinland ist neben dem Dialekt und dem Hochdeutschen auch ein Regiolekt zu hören: eine - regional differierende - Umgangssprache. Sätze wie "Dat habbich nich gesacht" oder "Du krisset noch kaputt" gehören zu diesen Regiolekten.

Weitere Elemente des bunten rheinländischen Sprachspektrums sind die Sondersprachen: Das können Geheimsprachen sein wie das heute nicht mehr benutzte Henes in Breyell am Niederrhein oder das Rotwelsche der früher in Stotzheim bei Euskirchen ansässigen Wanderhändler. Auch die Fachsprachen bestimmter Berufsgruppen, die mit den örtlichen Dialekten verzahnt waren, gehören hierher.

Die Dialekte des Rheinlandes sind uralte Sprachen, sie reichen bis ins erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung zurück. Wer sich mit den historischen Sprachverhältnissen der Region beschäftigt, wird das 16. Jahrhundert mit ganz besonderer Aufmerksamkeit studieren. Denn damals setzte auf der Ebene der geschriebenen Sprache eine Entwicklung ein - im Rheinland wie überall zwischen Nordsee und Alpen -, an deren Ende die mittelalterlichen, auf den Dialekten basierenden Schreibsprachen aufgegeben wurden. Man wechselte zur hochdeutschen Schriftsprache und in Teilen des Rheinlandes auch zum Niederländischen.