LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Sprachatlas

Ein Klever und eine Euskirchenerin können sich im Dialekt nicht miteinander unterhalten. Mit zunehmender Entfernung wird im Rheinland auch der sprachliche Abstand immer größer. Und zwischen Kleve (am unteren Niederrhein) und Euskirchen (am Rand der Eifel) liegen auf der Dialektebene bereits Welten. Tonaufnahmen lassen dies hören. Auf Sprachkarten werden Verwandtschaften und Unterschiede sichtbar.

Wie verändert sich Sprache im Raum? Wie weit ist eine bestimmte Variante (ein Wort, ein Laut, eine grammatische Form) verbreitet? Wo spricht man anders? Welche Orte haben dieselbe Sprache? - so lauten einige der Fragen, denen die Sprachgeographie (oder Areallinguistik) nachgeht. In welchem Verhältnis stehen also Sprache und Raum zueinander? Die von der Sprachgeograhie erarbeiteten Karten sind dabei zugleich Forschungsinstrument wie Präsentationsmedium: Sie helfen, Sprachgebiete und Sprachbewegungen im Raum zu erkennen, und sie sind in besonderer Weise geeignet, Ergebnisse der Forschung vorzustellen. Am Anfang der sprachgeographischen (areallinguistischen) Forschung stand einmal die Untersuchung der Dialekte und ihrer zahlreichen Varianten. Inzwischen werden längst auch Karten für die Umgangssprache bzw. den Regiolekt, ja selbst Karten für die räumlichen Varianten in der Standardsprache gezeichnet. Sprache im Rheinland, ob Dialekt, Regiolekt oder Hochdeutsch, ist ohne lokale und regionale Prägung nicht denkbar.

Sprachkartographen und Sprachkarthographinnen arbeiten mit "Flächenkarten" und "Punktsymbolkarten". Flächenkarten könnten auch "Linienkarten" heißen: Durch Linien werden verschiedene Gebiete, die dann als Fläche erscheinen, voneinander abgegrenzt. Die Karte des Rheinischen Fächers ist ein Prototyp für diese Kartenart. Seitdem Farbkarten gezeichnet werden, erhalten die Flächen in der Regel unterschiedliche Farben. Die Punktsymbolkarte präsentiert das Material für jeden Ort einzeln. Hier ist also - anders als bei der Flächenkarte - genau zu erkennen, für welchen Ort Material vorlag (und für welchen nicht) und entsprechend in die Karte eingearbeitet werden konnte. Die Karte Kerngehäuse (des Apfels) ist ein Beispiel für eine solche Punktsymbolkarte.

Wenn auf einer Karte die räumliche Verbreitung unterschiedlicher Bezeichnungen dargestellt wird, handelt es sich um eine "Wortkarte". Wortkarten lassen sich selbst für das im Rheinland gesprochene Hochdeutsch zeichnen, wie etwa die Karte Dachboden zeigt.

Überall im Rheinland unterschieden sich bereits Nachorte durch ihre Dialekte. Deshalb lassen sich auch für sehr kleine Räume Dialektkarten zeichnen; solche kleinräumigen Karten finden Sie hier etwa für Wuppertal.

Ein Problem für die Zeichnung übersichtlicher Sprachkarten ist die örtliche Variation. Gibt es in einem Dorf oder einer Stadt mehrere Varianten (beispielsweise mehrere Synonyme), dann kann durch deren Berücksichtigung das Kartenbild schnell unübersichtlich werden. Klare Kartenbilder, auf denen Varianten und konkurrierende Formen fehlen, können aber auch täuschen: So einfach und komplikationslos liegen die Verhältnisse oft doch nicht! Ein Beispiele für Karten, auf denen örtliche Varianten dargestellt werden, ist etwa Dachboden.

Der Sprachatlas gliedert sich in drei Kapitel, die derzeit im Aufbau sind:


Literatur

Jan Goossens: Deutsche Dialektologie. Mit 13 Karten und 4 Abbildungen. (Sammlung Göschen, 2205). Berlin/New York 1977.

Stephan Elspaß/Werner König (Hg.): Sprachgeographie digital. Die neue Generation der Sprachatlanten (mit 80 Karten). (Germanistische Linguistik, 190-191). Hildesheim/Zürich/New York 2008.