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Dorf/Dörp

Karte, die die unterschiedlichen Lautformen für Dorf im Bonner Stadtgebiet zeigt

Im Oktober 2017 hat die ILR-Sprachabteilung einen Dialektfragebogen in Umlauf gebracht. Der Fragebogen lag zunächst der ILR-Zeitschrift "Alltag im Rheinland" (Jahrgang 2017) bei. Im Anschluss haben verschiedene Tageszeitungen auf die Aktion aufmerksam gemacht. Insgesamt sind weit mehr als 1300 ausgefüllte Exemplare im ILR eingegangen.

Die Karte Dörp/Dorf basiert auf dieser Erhebung. Sie zeigt das Grundgebiet der heutigen Stadt Bonn, wobei einzelne Ortspunkte (Stadtteile) eingezeichnet sind; es sind insgesamt 24. Auf der Karte dominiert grün, also Dörp. Daneben waren Dorf (gelb) und Dorp (rot) einzutragen.

Das Bonner Stadtgebiet liegt, legt man die Einteilung nach den Sprachdaten des 19. Jahrhunderts zugrunde, deutlich nördlich der Dorp-Dorf-Linie. Diese Linie bildet im "Rheinischen Fächer" die Grenzlinie zwischen nördlichem Dorp (bzw. Dörp) und südlichem Dorf. Das Dorp-Gebiet wird als Ripuarisch bezeichnet, das Dorf-Gebiet als Moselfränkisch. Heute, das zeigt die aktuelle Bonn-Karte, gibt es auch im Bonner Raum DialektsprecherInnen, die das Dorf im Dialekt Dorf nennen. Laut Karte sind diese Menschen vor allem in Bonn-Zentrum und in den Stadtteilen in dessen Umgebung zu suchen.

Der Dialektforscher Georg Wenker hat auf seinem Fragenbogen von 1884/85 ebenfalls nach diesem Wort gefragt. Außerdem wollte er wissen, wie der eigene Ortsname im Dialekt laute. Und da im Raum Bonn eine Reihe von Ortsnamen das Grundwort -dorf enthalten (Lengsdorf, Lannesdorf usw.), lassen sich innerhalb des Wenker-Fragebogens beide Angaben miteinander vergleichen. 1884/1885 sagte man:

'Dorf' im Wenker-Fragebogen 1884/1885:

Bezeichnungen von Bonner Ortsteilen im Dialekt

Es könnte also sein, dass sich das hochdeutsche -dorf zunächst in die mundartlichen Ortsnamen eingeschlichen hat, um im Anschluss auch den Weg in den allgemeinen (appellativischen) Wortschatz der Mundart zu finden.

Die folgende Tabelle enthält frühe Belege für den Ortsnamen Muffendorf (Dittmaier 1979, S. 86).

Die heutige Situation ist von Varianz geprägt, die so weit geht, dass auch innerhalb eines Ortspunktes (eines Stadtteils) mit konkurrierenden Lautvarianten zu rechnen ist. Auf der Karte zeigt sich das in Bonn-Zentrum, in Dransdorf, Poppelsdorf, Lengsdorf, Dottendorf, Friesdorf, Beuel und in Ramersdorf. Pro Ortspunkt liegen zwischen 1 und 12 (so für Friesdorf) ausgefüllte Bögen vor. Das Dreiviertelsymbol (z. B. für Bonn-Zentrum) nennt die jeweils am häufigsten (oben) und die an zweiter Stelle genannte Variante (unten). Zwei mit gleicher Häufigkeit gemeldete Varianten werden durch geteilte Symbole dargestellt (z. B. Lengsdorf).

Die Fragebogen-Erhebung 2017/18 zielte u. a. auf den Wortschatz der Dialekte, so wurde beispielsweise nach den Bezeichnungen für den Sperling oder den Schluckauf, für das Bonbon oder den Schuhriemen. Andere Fragen betrafen die dialektale Aussprache von Tasche (Täsch, Taisch, Tasch, Tösch …) und von Dorf (Därp, Dörp, Dorp, Dorf …) oder auch Aspekte der Mehrzahlbildung im Dialekt.

Georg Cornelissen

Literatur: