LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Literaturempfehlungen

Mai 2015

Georg Cornelissen: Kleine Sprachgeschichte von Nordrhein-Westfalen. Greven Verlag Köln, 2015. 18 Sprachkarten und Abbildungen.

ISBN 978-3-7743-0654-7.

Eine kleine Sprachgeschichte eines großen Bundeslandes

Nordrhein-Westfalen ist kein Bundesland wie jedes andere. Sein Grundgebiet umfasst mehr als 34.000 Quadratkilometer, hier leben heute rund 18 Millionen Menschen: Anderswo in Europa wären das die Daten eines veritablen Staates. Wie sprechen (und schreiben) die Ein-wohner dieses Landes? Was hat sich in den fast sieben Jahrzehnten seit seiner Gründung 1946 verändert? Weshalb hat beispielsweise die Zahl der DialektsprecherInnen in dieser Zeit so stark abgenommen? Die „Kleine Sprachgeschichte von Nordrhein-Westfalen“ bietet zum ers-ten Mal eine Gesamtdarstellung der sprachlichen Entwicklung des Raumes zwischen Rhein und Weser.

Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit der sprachlichen „Vorgeschichte“, beginnt bei Franken und Sachsen im frühen Mittelalter und stellt alle wichtigen Sprachentwicklungen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor. Der Hauptteil des Werkes setzt 1946 ein, wobei das Kölsche (der bekannteste Dialekt) und das Ruhrdeutsche (als Prototyp einer regionalen Um-gangssprache) jeweils eigene Kapitel bekommen. Die letzten Kapitel beschäftigen sich mit den Jahren nach der Jahrtausendwende. Wie schlagen sich „Mobilität und Migration“ in der Sprachgegenwart des Landes nieder, was bedeutet Regionalität für Fernsehsendungen, die in NRW produziert werden?

Die Kapitel des Buches: VORGESCHICHTE 1. Franken und Sachsen 2. Die Benrather Linie 3. Platt 4. duytsch 5. Von Gutenberg bis Luther 6. Der Übergang zum Hochdeut-schen 7. Die Sprachgrenze im Westen 8. 1815 – eine Zwischenbilanz 9. Mundart und Schriftsprache 10. Land der tausend Dialekte NORDRHEIN-WESTFALEN 11. Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen 12. Rheinisch und Westfälisch 13. Sprachlandschaft NRW 14. „Hauchdütschk was eenlick miene iärste Früemdsproak“ 15. Wer spricht Platt(deutsch)? 16. „Dialektrenaissance“ 17. Gründe und Hintergründe des Sprachwandels

18. Kölsch 19. Ruhrdeutsch… 20. …und andere Regiolekte 21. Sprachkontakt 22. Mobi-lität und Migration 23. WDR-Deutsch 24. Hochdeutsch in regionaler Perspektive 25. Ausblick

Zahlreiche Sprachbeispiele dienen der Konkretisierung der Darstellung. Farbige Sprachkarten (die ersten für das Land NRW) führen die Sprachvielfalt Nordrhein-Westfalens im wahrsten Sinne des Wortes „vor Augen“.

Mai 2015

Peter Honnen: Alles paletti? Migration und Sprache an Rhein und Ruhr. Greven Verlag Köln, 2015. 78 Seiten.

ISBN 978-3-7743-0655-4.

Migration ist - aus unterschiedlichen Gründen - das Thema der Stunde. „Seit gut 50 Jahren kommen Migranten nach Deutschland“ kann man zum Beispiel in diesem Zusammenhang im Internet lesen. Seit 50 Jahren? Darüber kann man im Rheinland eigentlich nur schmunzeln. Selbst wenn man lediglich die neuere Migrationsgeschichte betrachtet, so ist die „polnische Invasion“ ins Ruhrgebiet 125 Jahre alt und über 100000 Italiener waren schon lange vor dem Ersten Weltkrieg als Bauarbeiter im Rheinland. Aber streng genommen ist die gesamte Historie des Rheinlands eine einzige Migrationsgeschichte, angefangen bei den Kelten oder Galliern über die Römer und Germanen bis zu jüdischen Einwanderern, Franzosen, Spaniern oder Niederländern. Migranten aus der Türkei, dem Balkan oder der Levante sind hier lediglich das Ende einer langen Kette.

Ein Thema, das immer wieder im Migrationszusammenhang diskutiert wird, ist der Einfluss von Migrantensprachen auf die Entwicklung der deutschen Sprache: „Wie Migration die deutsche Sprache verändert!“ – „Bilden Migranten sprachliche Parallelgesellschaften?“ – „Wandlungsfähig war die deutsche Sprache schon immer – doch durch den Zuzug von Migranten hat sie sich besonders stark verändert.“ Dies sind einige der typischen Kommentare, wie sie häufig in den Medien zu finden sind. Aber stimmen sie überhaupt? Und wenn: Ist eine solche Entwicklung überhaupt ein „Problem“? Auch hier hat das das Rheinland mit seiner langen Sprachgeschichte einiges zu erzählen.

Sogar die gefürchteten „Parallelgesellschaften“ hat es hier tatsächlich schon immer gegeben – ohne dass sie nennenswertes Aufsehen erregt hätten. Die älteste datiert in die Frankenzeit und hat bis in das Mittelalter existiert. Es waren die Nachfahren gallo-romanischer Winzer, die über Jahrhunderte an der Mosel in mitten deutscher, sprich fränkischer, Nachbarn gelebt und romanisch gesprochen haben. Im 18. Jahrhundert waren es Armuts- und Religionsflüchtlinge aus der Pfalz, die sich am Niederrhein bei Kalkar angesiedelten und dort bis heute in ihrer Kolonie Pfälzisch sprechen. Glasbläser aus Pommern haben in Düsseldorf-Gerresheim rund einhundert Jahre eine abgeschlossene Gemeinschaft gebildet, in der ein niederdeutscher Dialekt gesprochen wurde.

Sehr stark an die aktuelle Diskussion über den Einfluss den Türkischen erinnert die Situation in den Kohlegebieten um 1900, als in manchen Kreisen über den schädlichen Einfluss des Polnischen auf die deutsche Sprache spekuliert wurde. Und obwohl noch heute die Umgangssprache an der Ruhr vielen als „Polnisch rückwärts“ gilt, war von polnischen Sprachelementen in der Alltagssprache schon um 1920 kaum noch etwas zu spüren; heute erinnern sich nur noch ältere Sprecher schon fast wehmütig an Wörter wie Mattka oder Mottek.

Dies sind nur einige der Geschichten, die es beim Thema „Migration und Sprache an Rhein und Ruhr“ zu erzählen gilt. Weitere Aspekte sind der vielbeschworene Einfluss des Französischen auf das Rheinische, Jiddismen in der rheinischen Alltagssprache, rotwelsche Lehnwörter oder - abfällige - Bezeichnungen für Fremde. All diese rheinischen Sprach- und Wortgeschichten gehören zur jahrtausendelangen rheinischen Migrationsgeschichte, sie erweitern die aktuelle Diskussion um Migration und Sprache um eine historische Dimension können so zu mehr Gelassenheit und Offenheit bei diesem umstrittenen Thema verhelfen. Das wäre dann eine echt „rheinische Lösung“ des Problems.

Erzählt werden diese Geschichten von Peter Honnen in einem gerade erscheinen Büchlein in der Reihe „leseZeichen“ des Greven Verlags Köln:

Januar 2014

Monika Grübel, Peter Honnen (Hg.): Jiddisch im Rheinland. Auf den Spuren der Sprachen der Juden. 196 Seiten, zahlr. Abb., 14,95 €, ISBN: 978-3-8375-0886-4

Eine Publikation des Landschaftsverbandes Rheinland im Klartextverlag.

Das Jiddische im Rheinland hat eine lange Geschichte. Wie jüngste Funde aus der Archäologischen Zone in Köln belegen, wurde schon in der mittelalterlichen Stadt ein offensichtlich „rheinisch" gefärbtes Jiddisch gesprochen. Wie überhaupt die Sprache der Menschen zwischen Worms und Köln bei der Entstehung des Westjiddischen, der Sprache der aschkenasischen Juden, über die Jahrhunderte eine überragende Rolle gespielt hat.

Der vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte erarbeitete Sammelband beschreibt die Geschichte des Jiddischen von den Anfängen bis zu seinem Ende im 19. Jahrhundert. Er erklärt seine Wurzeln und Entwicklung, zeigt, wie sich die Sprachen der Juden und Christen gegenseitig beeinflusst haben, welche Rolle das Jiddische über die Jahrhunderte in der Region gespielt und welche Spuren es in der rheinischen Alltagsprache hinterlassen hat.

Die insgesamt sieben Beiträge vermitteln nicht nur ein umfassendes Wissen über die Sprache der Juden selbst, sondern sie erlauben auch überraschende Einblicke in die Alltagswirklichkeit und die allgemeine Sprachgeschichte im Rheinland: Rheinische Juden lasen im Mittelalter gerne Ritterromane. - Die rheinischen Mundarten sind eine Fundgrube für jiddische Lehnwörter und zeigen, dass ihre Sprecher mit der Lebensweise ihrer jüdischen Nachbarn sehr vertraut waren. – Viele Wörter der rheinischen Alltagssprache haben für den Laien kaum erkennbare jiddische Wurzeln. - Jüdische Händler verwendeten das Jiddische als Geheimsprache. – Die Nationalsozialisten versuchten im Ruhrgebiet erfolglos, die Alltagssprache von allem „jüdischen" Einfluss zu säubern. – Heute finden sich im aktuellen Ruhrdeutschen noch eine ganze Reihe bekannter jiddischer Lehnwörter wie Maloche, Macke, beschickert, Stuss, aber auch viele unbekanntere wie achielen, Kailoff, Schock oder Sonnef. – Aus ähnlichen Gründen wie die Dialekte verschwand schließlich auch das Jiddische aus dem sprachlichen Alltag im Rheinland.

„Jiddisch im Rheinland" ist jüdische und zugleich rheinische Sprachgeschichte und damit auch ein Beitrag zur rheinischen Alltagskultur.

Mai 2013

Stefan Frankewitz/Georg Cornelissen (Hg.): Bauern, Höfe und deren Namen am Niederrhein. (= Geldrisches Archiv, Band 13). Geldern: Kommissionsverlag B.O.S.S Druck und Medien. 215 Seiten, zahlr. Abbildungen und Karten. ISBN 978-3-941559-32-5.

"Auf dem Lande" - wenn sich eine Region so charakteriseiren lässt, dann sicherlich der untere Niederrhein. Hier haben Bauernhöfe und Katen lange Zeit das Leben der Menschen und das Bild der Landschaft geprägt. Doch seit der Industrialisierung hat sich vieles verändert - nun treten die Phänomene der "Globalisierung" als gestaltende Momente hinzu.

Der Sammelband enthält siebenBeiträge: Stefan Frankewitz: Bauernhöfe im Amt Geldern - Vom Mittelalter bis zur Gegenwart (S. 7-28); Georg Cornelissen: Terstegen vom Stegerhof. Hofnamen und bäuerliche Familiennamen am Niederrhein (S. 29-68); Alois Döring: Ländliches Leben im Umbruch nach 1950 - die "weibliche" Seite. Im Spiegel der Aufnahmen des Agrarfotografen Wolfgang Schiffer (S. 69-86); Christoph Dautermann: Vom Nutzen der Umnutzung. Zum Funktionswandel ländlicher Gebäude (S. 87-102); Dagmar Hänel: Leben in Hünxe. Zum Start eines Dorf-Projektes (S. 103-114); Stefan Frankewitz: Die Karte des Kreises Geldern von August Hofacker aus dem Jahre 1877 (S. 115-176); Fritz Vieter: Der Kreis Geldern. Besprechungen an der Hofackerschen topographischen Karte des Kreises Geldern (S. 117-202). Das Themenspektrum reicht also von der Geschichte über volkskundliche Aspakte oder die besonderen Namen der bäuerlichen Bevölkerung und ihrer Höfe bis hin zur heutigen Umnutzung landwirtschaftlicher Anwesen.

Die Hofacker-Karte misst im Original 178 Zentimeter in der Höhe und 115 in der Breite. Sie wird hier verteilt auf zwölf Tafeln abgedruckt. Die auf der Karte verzeichneten Namen (Hofnamen, Ortsnamen, Gewässernamen usw.) sind über das vollständige Register (S. 148-176) leicht zu finden.

Der reich bebilderte, in Zusammenarbeit des Stadtarchivs Geldern und der Sprachabteilung des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte entstandene Band geht auf eine Tagung zurück, die im November 2010 in Geldern stattgefunden hat; der Titel lautetet damals: "Bauernhöfe, ländliche Bevölkerung und ihre Namen am Niederrhein".

April 2013

Katharina Rempel: Bonn, Bönnsch & Bonner Deutsch. Sprachliche Vielfalt in der Bundes-stadt. Bonn: Verlag StadtMuseum Bonn 2013. 152 Seiten, zahlr. Sprachkarten und Abbildungen. ISBN 978-3-931878-38-2.

Zwischen 2011 und 2013 lief in der ILR-Sprachabteilung ein Projekt zur Sprachvariation in der Bundesstadt Bonn. Viele hundert Bonner und Bonnerinnen wurden in dieser Zeit von Katharina Rempel befragt, die dabei die Varianten sowohl im Dialekt (Platt, „Bönnsch") als auch im Regiolekt ausleuchtete und vor allem den Wortschatz untersuchte. Die ältesten Beteiligten waren 93 Jahre alt, die jüngsten besuchten noch die Schule. Das daraus entstandene Buch gliedert sich in drei Kapitel:

Im ersten Kapitel steht der Dialekt im Mittelpunkt: Ob man in Bonn eine Vorliebe für Kesselskooche, Döppekooche, Knüles oder Küles, Knall oder Knällche, Diejelsknall, Puttes, Kesselsknall oder Kesselsbrütche hat, hängt nicht vom Gaumen, sondern vom Stadtviertel ab, in dem der Betroffene zu Hause ist. Wer den Bonner Dialekt (das Bönnsche) spricht, gibt sich, wie die Autorin zeigen kann, auch heute noch durch bestimmte Wörter als Endenicher, Friesdorfer oder Beueler zu erkennen.

Im zweiten und dritten Kapitel werden die Sprachformen jenseits des Dialekts untersucht. Im Regiolekt bzw. im „Bonner Deutsch" sind beispielsweise Varianten wie Plötsch und Blötsch zu hören, es konkurrieren hier Bezeichnungen wie zoppen und tunken, piddeln und knibbeln. Der Wortschatz des Bonner Deutsch ist also zum Bönnschen wie zum Hochdeutschen hin offen. Wer zu welcher Variante greift, ist oftmals, so eines der Ergebnisse, eine Frage des Lebensalters. Im dritten und letzten Kapitel geht es ausschließlich um die Jugend der Stadt: Was fängt sie beispielsweise mit Wörtern wie spack, fimschich oder hibbelig an? Welche dieser Bezeichnungen sind auch für junge Leute „mit Migrationshintergrund" attraktiv? Sind regionale Wörter in der Jugendsprache vital? Wie mischen sich jugendsprachliche Abschiedsgrüße wie Hauste (rein) und Hade in die Sprache der Bonner Schülerinnen und Schüler?

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Weitere Empfehlungen in alphabetischer Reihenfolge:

Ackermann, Herbert: Grefrather Mundartwörterbuch. Krefeld 2003.

Ein ungewöhnliches und außergewöhnliches Dialektlexikon: Wann erscheint schon einmal ein Wörterbuch für die Mundart eines Ortes in drei Bänden, mit 2172 Seiten? Es bietet eine unglaubliche Informationsfülle: Mehr als 22 000 Stichwörter werden behandelt. In diesem Buch wird erfahrbar, wie groß der Reichtum des mundartlichen Wortschatzes ist und welch differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten sich damit dem Dialektsprecher boten und noch heute bieten.

ISBN 3-923140-89-4

Bakkes, Pierre: Moferts Waordebook. Monforts Woordenboek met onder meer de woordenlijsten Moferts-Nederlands en Nederlands-Moferts. Montfort 2007.

Die Dialekte entlang der deutsch-niederländischen Grenze sind eng miteinander verwandt. Wer im Raum Viersen-Mönchengladbach-Heinsberg wohnt und sich für diese alte Sprachverwandtschaft interessiert, wird auf den 567 Seiten des Wörterbuches für Montfort (bei Roermond) vieles entdecken.

ISBN 978-90-9022294-3

Cornelissen, Georg : Jans(s)en vom Niederrhein. Die Erfolgsgeschichte eines Namens. Kleve: Boss-Verlag 2011. 108 S., zahlr. Abbildungen und Karten.

Ein Buch über einen Namen – geht das? Es würde wohl nicht bei jedem Namen funktionieren - aber wenn Jans(s)en (mit all seinen Varianten) im Mittelpunkt steht, dann lassen sich so viele historische Belege und auch völlig überraschende Funde zusammentragen, so dass am Ende eben doch ein Buch dabei herauskommt:

Am Niederrhein gehört Jans(s)en zum Kernbestand der regionalen Namengeschichte. Janssen (mit all seinen Varianten) ist hier Teil des landschaftlichen Kulturerbes. Es gibt hier sogar einen heiligen Janssen (Arnold Janssen aus Goch), auch ein Fußballnationalspieler gehört zu den Trägern dieses Namens (Marcell Jansen aus Mönchengladbach, jetzt Hamburger SV). Wie in diesem Buch nachzulesen ist, hätte am Ende des Mittelalters niemand diese niederrheinische „Erfolgsgeschichte" vorhersagen können. Warum der Name (mit all seinen Varianten) dann die anderen überflügeln konnte und wann denn Janssens große Stunde geschlagen hat, ist in diesem Buch nachzulesen.

Es spannt einen Bogen vom Jahr 1416 bis heute und erläutert am Beispiel zahlreicher historischer Namenbelege die Entwicklung bis in unsere Tage. Das Buch setzt ein mit einem Duisburger Kellermeister namens Johannes, der noch ohne Zweitnamen auskommen musste; die nächsten Namenträger sind Katryn Jannes aus Geldern (1422) und der Emmericher Segher Johanssoen (1439). Es sollte dann viele Jahrhunderte dauern, bis sich Janssen mit seinen heutigen Varianten (Janßen, Jansen, Janhsen, Janshen) etablieren konnte. Verfolgt werden in diesem Buch mehrere ganz unterschiedliche Geschichten, die dazu führten, dass sich der Niederrhein heute in drei verschiedene, hier auch auf einer Karte dargestellte Janssen-Zonen aufteilt. Cornelissens Erklärungsansatz (Jans(s)en als „Modename" des 16./17. Jahrhunderts) ist völlig neu.

Wenn schon von Janssen die Rede ist, darf Jan nicht fehlen. Deshalb werden in diesem Buch der wärme Jan und der kalde Jan ebenso wenig übergangen wie Jan Düvel oder Jan Baserull. Ohne die Einbeziehung dieses am Niederrhein äußerst beliebten Rufnamens ließe sich die Geschichte des Familiennamens Janssen nur lückenhaft erklären.

Erst der Blick über die Grenze nach Nimwegen oder Venlo lässt die niederrheinische Namengeschichte verstehbar werden. Denn auch im benachbarten Grenzgebiet gehören heute Janssen bzw. Jansen zu den allerhäufigsten Familiennamen – auf die durch Cornelissens Buch wiederum ein ganz neues Licht fällt. Gerade für die Einwohner und Einwohnerinnen der niederländischen Provinzen Gelderland und Limburg müsste das Jans(s)en-Buch eine interessante Lektüre sein.

Insgesamt geht die Neuerscheinung weit über die Beschreibung der Entstehung und Geschichte des Einzelnamens Jans(s)en (mit seinen Varianten) hinaus. Es skizziert, abzulesen an dem umfangreichen Register der einbezogenen Familiennamen (S. 102-107), Grundzüge der niederrheinischen Namengeschichte.

ISBN 978-3-89413-173-9, 11,50 Euro

Cornelissen, Georg/Eickmans, Heinz (Hg.): Familiennamen an Niederrhein und Maas. Von Angenendt bis Seegers/Zeegers. (= Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie/Academie Nederrijn, 9).

Viele der heutigen Namen am Niederrhein sind alt: Sie sind in einer Zeit entstanden, als der Raum noch nach Westen hin offen war. So erklärt sich, warum die meisten der für den Niederrhein typischen Namen auch jenseits der Staatsgrenze vorkommen. Angenendt, Derrix, Hendricks, Jakobs, Janßen, Peters, Thyssen, Seegers (auf der niederländischen Seite der Grenze: Zeegers) - Namen wie diese verbinden das Gebiet beiderseits der Grenze. Das Werk, eine Koproduktion der Niederrhein-Akademie/Academie Nederrijn und des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte, ist die erste Buchpublikation, in der die regionalen Familiennamen an Niederrhein und Maas wissenschaftlich fundiert, gleichzeitig aber auch allgemeinverständlich dargestellt werden.

In sieben Beiträgen wird die Namenwelt des Raumes behandelt. Dabei geht es u. a. um den Ursprung und die Bildungsweisen von Familiennamen, um die alte grenzübergreifende Namenverwandtschaft oder um die Verwendung regionaltypischer Namen in Niederrhein-Romanen. Zahlreiche farbige Karten ermöglichen den Lesern und Leserinnen eine Orientierung innerhalb der regionalen Namenwelt. Die einzelnen Beiträge stammen von Ann Marynissen, Rita Heuser/Damaris Nübling, Robert Damme, Hans Taubken, Elmar Neuß und von den beiden Herausgebern.

ISBN 978-3-89355-263-4. 18 Euro.

Debrabandere, Frans: Woordenboek van de familienamen in Belgie en Noord-Frankrijk. Grondig herziene en vermeerderde uitgave met medewerking van dr. Peter De Baets. Amsterdam, Antwerpen. 2003.

Einem Rheinländer, der in einem deutschen Familiennamenbuch nach der Herkunft seines Namens sucht, kann es passieren, dass er nicht fündig wird. Bei weitem nicht alle einheimische Familiennamen des Rheinlands werden dort aufgeführt. In vielen Fällen hat dann dieses aus Belgien stammende, alphabetisch geordnete Buch die Auflösung. Gerade für niederrheinische Namen sehr zu empfehlen!

ISBN 90-204-0207-2

Lausberg, Helmut /Möller, Robert : Rheinischer Wortatlas. Bonn 2000.

Auf 90 farbigen Karten wird der große Wortreichtum der Dialekte im Rheinland präsentiert. Das bearbeitete Gebiet reicht von Kleve im Norden bis nach Saarbrücken im Süden. Der Atlas basiert auf einer Fragebogenerhebung, bei der es u. a. um die dialektalen Bezeichungen für die Kartoffel oder die Zwiebel, für den Handfeger oder die Kneifzange, aber auch um Verben wie sprechen, arbeiten, niesen oder pfeifen ging.

ISBN 3-416-02952-6

Prothmann, Ottmar: Grafschafter Wortschatz. Veröffentlichungen zur Geschichte der Gemeinde Grafschaft Band 5, Oeverich 2009.

Ein neuer Rekord: In sage und schreibe 27000 Wortartikeln beschreibt Ottmar Prothmann den dörflichen Wortschatz seiner Heimat. Das sind die Orte Birresdorf, Leimersdorf, Niederich und Oeverich nördlich von Ahrweiler und Bad Neuenahr. Damit ist die Mundart in diesem nördlichsten Winkel von Rheinland-Pfalz in einer mustergültigen und allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Dokumentation erfasst. Auf 1100 Seiten entfaltet sich hier das Panaroma eines Dorfdialekts in all seinen Facetten und Ausprägungen. Durch die ausführliche Einleitung, die anschaulichen Beispielsätze und die vielen Sacherklärungen ist der "Grafschatzer Wortschatz" mehr als ein Nachschlagewerk. Vermittelt über die Sprache erlaubt das Wörterbuch seltene Einblicke in das dörfliche Leben einer untergehenden Epoche.

Rheinisches Wörterbuch. Auf Grund der von J. Franck begonnenen, von allen Kreisen des Rheinischen Volkes unterstützen Sammlung bearb. und hrsg. von Josef Müller u. a. Bonn, Berlin 1928-1971.

Wer sich im Rheinland für die Bedeutung, die Lautung, die grammatischen Formen und die Verwendung von Dialektwörtern interessiert, wird im großen "Rheinischen Wörterbuch" - fast - immer fündig. Dieses imposante, neun Bände umfassende Lexikon beeindruckt jeden Benutzer. Es berücksichtigt die Dialekte im Gebiet der ehemaligen Rheinprovinz, reicht im Süden also bis zur Saar.

Es ist nicht mehr zu kaufen, aber ein Besuch der Stadtbibliothek lohnt bei Interesse an rheinischen Dialekten für einen Blick in dieses einmalige Werk allemal.

Neuerdings ist das berühmte Rheinische Wörterbuch auch online einseh- und nutzbar. Ein sehr verdienstvolles Projekt der Universität Trier macht zur Zeit eine ganze Reihe von umfangreichen Wörterbüchern, darunter auch großlandschaftliche Mundartwörterbücher, im Internet zugänglich. Allerdings ist der Zugang etwas zäh, mehrmaliges Probieren zahlt sich aber aus: http://woerterbuchnetz.de/RhWB/

Wrede, Adam : Neuer Kölnischer Sprachschatz. Mit einer Einführung von Peter Honnen. Greven Verlag Köln, Köln 2010

Adam Wrede hatte seinen Sprachschatz allerdings nie als „normales" Wörterbuch konzipiert, sondern als eine Dokumentation der kölnischen Kulturgeschichte, als ein Lexikon des Alltagslebens in der rheinischen Metropole. Er sollte ein kölnisches Hausbuch sein, in dem die Leser und Leserinnen ihre Stadt über die Sprache entdecken können. Nun ist sein Wörterbuch endgültig und tatsächlich zu diesem Hausbuch geworden. Denn seit April gibt es dieses große kölnische Nachschlagewerk als preiswerte Sonderausgabe in einem Band.

Nun können endlich auch diejenigen, die den „Neuen Kölnischen Sprachschatz" immer für ein reines Mundartwörterbuch gehalten haben, auf eine völlig neue und ungewöhnliche Entdeckungsreise durch ihre Stadt gehen. Denn wie der kölnische Professor die Geschichte Kölns anhand der Straßennamen aufzeigt, den kölnischen Festkalender mit den Heiligennamen erklärt und durch die Sprache kölnische Sagen, typische Spiele und Bräuche sowie mit einem Augenzwinkern die kölnische Lebensweise lebendig werden lässt, ist ohne Beispiel. Hier findet man nicht nur die kölnische Sprache, sondern wirklich ganz Köln in einem Band.

Wobei auch die Darstellung der kölnischen Alltagssprache höchst ungewöhnlich ist. Wrede erläutert nicht nur den umfangreichen Wortschatz, sondern illustriert in unzähligen Beispielsätzen und Redewendungen sowohl die lebendige Sprache selbst als auch die Mentalität ihrer Sprecher und Sprecherinnen, die wohl nirgendwo so unverfälscht aufscheint wie hier. Und noch etwas macht das Buch zu etwas ganz Besonderen. Adam Wrede hat mit seinem Sprachschatz auch das erste und einzige etymologisches Wörterbuch zur rheinischen Mundart verfasst. Wer sich für die Herkunft kölnischer Wörter und Namen interessiert, den erwartet hier eine einzigartige Quelle, die auch Sprachwissenschaftler täglich nutzen.

ISBN 978-3-7743-0438-3, 24 Euro