LVR-Institut für Landeskunde
und Regionalgeschichte
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Ortsnamen auf -(ing)hoven und -koven

Landkarte, auf der alle Ortsnamen mit -inghoven und -koven eingezeichnet sind

Dünstekoven, Bechlinghoven, Müllekoven - wenn während einer Autofahrt auf wenigen Kilometern zahlreiche Ortsnamen mit den Endungen -hoven, -inghoven und -koven auf den Straßenschildern zu lesen sind, befindet man sich mit ziemlicher Sicherheit im Gebiet Bonn-Rhein-Sieg. Denn eine so hohe Dichte an -hoven-, -inghoven- und vor allem an -koven-Namen ist im Rheinland einmalig. Ortsnamen dieser Art können sehr alt sein, aus der Zeit des 7.-9. Jahrhunderts, während der im Rheinland und in vielen anderen Gebieten des deutschen Sprachraums zahlreiche neue Siedlungen gegründet wurden. Die Endungen verweisen dabei auf die Gestalt dieser frühen Ortschaften - es waren mehrere Höfe, die nah beieinander gebaut wurden.

Die Endung -koven geht auf -inghoven zurück: Es handelt sich um eine zusammengezogene (kontrahierte) Kurzform. In der Überlieferung der meisten heutigen Namen auf -inghoven und -koven finden sich abwechselnd beide Varianten: Nottinchoven (1217) (das c entspricht hier einem g) neben Nettenkoffen (1595) für Nettekoven und Kudinchoven (1257) neben Kudekoven (1646) für Küdinghoven. Weshalb sich bis heute bei dem einen Namen -inghoven durchgesetzt hat, bei dem anderen aber -koven, gilt es noch näher zu untersuchen. Eine Hilfestellung können dabei die heutigen dialektalen Namen der Orte bieten, so heißt Küdinghoven auf Platt bis heute Külekovve - das Hochdeutsche weist also die eine Variante auf, der Dialekt die andere. Gleiches gilt zum Beispiel für Kürrighoven bei Wachtberg: Hier lautet der Name in der Ortsmundart Kürrijovve. Der erste schriftliche Beleg für den Ortsnamen aus dem Jahr 856 weicht noch von beiden Namen deutlich ab. Coruuingova ist dort zu lesen:

Ersterwähnung von Kürrighoven in einer Urkunde von 856

Leider sind die Dialektnamen der Orte nur teilweise in Wörterbüchern verzeichnet, so dass sie allein durch die Auskunft aktiver Dialektsprecher der jeweiligen Siedlungen in Erfahrung gebracht werden können.

Den ersten Teil des Ortsnamens, das Bestimmungswort, bildet bei diesem Namentypen häufig ein Personenname. So lässt sich der Name des Dorfes Ramershoven (bei Rheinbach) auf den Namen Rambrecht zurückführen - 'Höfe (der Leute) des Rambrechts' wäre hier die zugrundeliegende Bedeutung. Der Namen des Bonner Stadtteils Medinghoven beruht vermutlich auf einem Personenamen der etwa Matfridus gelautet haben könnte; Bechlinghoven kann auf Bachilo oder einen ähnlich klingenden Namen zurückgeführt werden.

Neben den heutigen Ortsnamen gab es in früheren Zeiten zahlreiche weitere Namen auf -hoven,-inghoven und -koven. Diese haben Siedlungen bezeichnet, die heute nicht mehr bestehen. Einige von ihnen sind aber noch greifbar - als Hof-, Guts- oder Burgnamen (Burg Kriegshoven bei Heimerzheim) oder als Straßennamen (Berghovener Straße in Bonn-Oberkassel). Ein besonderer Fall liegt mit der ehemaligen Siedlung Dützhoven vor. Diese wird in historischen Quellen mehrfach erwähnt, so als Duytshoven (1372), Dutzhoven (1344) oder Dotzhoffen (1477); sie lag zwischen Heimerzheim und Bornheim. In späteren Quellen finden sich dann nur noch zwei Höfe, der Obere Dützhof und der Untere Dützhof, diese sind auch heute noch an gleicher Stelle zu finden. Hier ist anscheinend aus einem Siedlungsname ein Hofname geworden.
Andere Namen wie *Grippekoven (Bornheim), *Luttershoven (Bonn) und *Reckhoven (Bornheim) sind heute nur noch aus historischen Quellen bekannt.

Charlotte Rein

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